Biaxin

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Biaxin (Freiname Clarithromycin) ist ein Makrolid-Antibiotikum zur Behandlung bakterieller Infektionen der Atemwege, des Hals-Nasen-Ohrenbereiches und der Haut. Es wird auch zur Eradikation von Helicobacter pylori eingesetzt.

Indikation (Anwendung)

Das Breitbandantibiotikum Biaxin wird zur Therapie akuter und chronischer Infektionen mit Biaxin-empfindlichen Erregern eingesetzt. Dazu gehören Infektionen der Atemwege (wie z.B. Bronchitis und Pneumonie), Infektionen im Hals-Nasen-Ohren-Bereich (z.B. Tonsillitis, Pharyngitis und Sinusitis) sowie Infektionen der Haut (Follikulitis, Impetigo, Erysipel und Wundinfektionen).

Es ist bei einer Gastritis auch zur Eradikation einer Helicobacter pylori-Besiedlung der Magen-schleimhaut geeignet (eventuell in Kombination mit einem geeigneten Ulkus-Therapeutikum).

Pharmakologie

Pharmakodynamik (Wirkung)

Biaxin hemmt die Proteinbiosynthese durch Bindung an die 50S-Untereinheit des bakteriellen Ribosoms. Daraus resultiert eine bakteriostatische Wirkung. Biaxin hat zudem eine bakterizide Wirkung, die insbesondere für atemwegspathogene Erreger gut dokumentiert ist. Der 14(R)-Hydroxy-Metabolit von Biaxin weist ebenfalls eine antibakterielle Wirkung auf. Je nach Art des untersuchten Teststamms zeigen Biaxin und der Metabolit eine additive oder synergistische Wirkung.

Wie alle Makrolide gehört es zu den Breitbandantibiotika. Es wirkt insbesondere gegen zahlreiche Streptokokken und Pneumokokken. Auch Legionellen und Chlamydien sowie zellwandlose Bakterien und die mit den Tuberkulose-Erregern verwandte atypischen Mykobakterien sprechen auf eine Biaxin-Therapie an. Aufgrund der Wirksamkeit gegen Mykobakterien wird Biaxin häufig in der prophylaktischen Therapie von HIV-Infizierten eingesetzt.

Pharmakokinetik

Aus dem Gastrointestinaltrakt wird es schnell und fast vollständig resorbiert. Es unterliegt jedoch nach oraler Gabe einem ausgeprägten First-pass-Metabolismus.

Biaxin verteilt sich gut in verschiedenen Kompartimenten. Es kommt zu Gewebe-konzentrationen, die um ein Mehrfaches über den zirkulierenden Wirkstoffspiegeln liegen. Erhöhte Spiegel wurden sowohl im Tonsillen- als auch Lungengewebe gefunden. Biaxin tritt auch in den Magenschleim über. Es liegt bei therapeutischen Spiegeln zu 70-80% an Plasmaproteine gebunden vor.

Biaxin wird in der Leber schnell und extensiv metabolisiert. Die Metabolisierung erfolgt vor allem über N-Demethylierung, Oxidation und stereospezifische Hydroxylierung an Position C14.
Die Pharmakokinetik von Biaxin ist nicht linear. Das deutet auf eine Sättigung des Metabolismus bei hohen Dosierungen hin. Die Plasmahalbwertszeit von Biaxin bei Dosen von täglich 1000 mg, aufgeteilt in 2 Einzeldosen, betrug bei gesunden Erwachsenen 4 - 5 Stunden und für 14-Hydroxy-Biaxin entsprechend 7 - 9 Stunden.

Die Elimination des Wirkstoffs erfolgt überwiegend (70 – 80%) mit den Faeces und 20 – 30% werden unverändert über die Nieren ausgeschieden. Bei Niereninsuffizienz kann es zu einer Erhöhung der Biaxin-Konzentration im Plasma kommen, weshalb die Dosis reduziert werden sollte.

Nebenwirkungen

Häufigste Nebenwirkungen sind Bauchschmerzen, Diarrhö, Übelkeit, Erbrechen und Geschmacksstörungen. Diese sind gewöhnlich von geringer Intensität und stimmen mit dem bekannten Sicherheitsprofil von Makrolid-Antibiotika überein.

Im Folgenden sind die Nebenwirkungen von Biaxin nach ihrer Häufigkeit aufgelistet:

Sehr häufig:

  • Phlebitis an der Injektionsstelle.

Häufig

  • Schlaflosigkeit
  • Dysgeusie, Kopfschmerzen, Geschmacksstörungen
  • Vasodilatation
  • Diarrhö, Erbrechen, Dyspepsie, Übelkeit, Bauchschmerzen
  • Anormaler Leberfunktionstest
  • Ausschlag, Hyperhidrose
  • Schmerzen/Entzündungen an der Injektionsstelle.

Gelegentlich:

  • Zellulitis, Candidiasis, Gastroenteritis, Infektion, Vaginalinfektion
  • Leukopenie, Neutropenie, Thrombozythämie, Eosinophilie
  • anaphylaktoide Reaktion, Hypersensibilität
  • Anorexie, verminderter Appetit
  • Angstzustände, Nervosität
  • Bewusstseinsverlust, Dyskinesie, Benommenheit, Somnolenz
  • Schwindelgefühl, Hörbeeinträchtigung , Tinnitus
  • Herzstillstand, Vorhofflimmern, Verlängerung des QT-Intervalls im EKG, Extrasystolen, Palpitationen
  • Asthma, Epistaxis, Lungenembolie
  • Ösophagitis, gastroösophageale Refluxerkrankung, Gastritis, Proktalgie, Stomatitis, Glossitis,
  • Blähbauch, Verstopfung, trockener Mund, Aufstoßen, Blähungen
  • Cholestase, Hepatitis, Alaninaminotransferase, Aspartataminotransferase und Gamma-Glutamyltransferase erhöht
  • Dermatitis bullosa, Pruritus, Urtikaria, makulopapulärer Ausschlag
  • Muskelkrämpfe, muskuloskeletale Steifheit, Myalgie
  • Blutkreatinin erhöht, Blutharnstoff erhöht
  • Unwohlsein, Pyrexie, Asthenie, Brustschmerz, Schüttelfrost, Müdigkeit
  • Albumin-Globulin-Quotient anormal, alkalische Phosphatase im Blut erhöht, Lactatdehydrogenase im Blut erhöht.

Nebenwirkungen mit unbekannter Häufigkeit:

  • pseudomembranöse Kolitis, Erysipel
  • Agranulozytose, Thrombozytopenie
  • anaphylaktische Reaktion, Angioödem
  • psychotische Störung, Verwirrtheit, Depersonalisation, Depression, Desorientierung, Halluzination, abnorme Träume
  • Krampfanfälle, Ageusie, Parosmie, Anosmie, Parästhesien
  • Taubheit
  • Torsade de pointes, ventrikuläre Tachykardie, Kammerflimmern
  • Hämorrhagie
  • akute Pankreatitis, Zungenverfärbung, Zahnverfärbung
  • Leberversagen, hepatozelluläre Gelbsucht
  • Stevens-Johnson-Syndrom, toxische epidermale Nekrolyse, Arzneimittelausschlag mit Eosinophilie und systemischen Symptomen (DRESS), akute generalisierte exanthematische Pustulose (AGEP), Akne
  • Rhabdomyolyse, Myopathie
  • Nierenversagen, interstitielle Nephritis
  • International Normalized Ratio erhöht, Prothrombinzeit verlängert, Urinfarbe anormal.

Wechselwirkungen (Interaktionen)

Folgende Arzneimitteln können die Plasmakonzentrationen von Biaxin beeinflussen und eine Dosisanpassung erforderlich machen:

  • Fluconazol
  • Ritonavir
  • Atravirin.

CYP3A-Induktoren und andere Induktoren des Cytochrom-P450-Stoffwechselsystems

Bei gleichzeitiger Anwendung von Induktoren des Cytochrom-P450-Stoffwechselsystems einschließlich CYP3A-Induktoren und Biaxin kann es zu einer verminderten Wirksamkeit aufgrund von subtherapeutischen Biaxin-Spiegeln kommen. Darüber hinaus kann es erforderlich sein, die Plasmaspiegel des CYP3A-Induktors zu überwachen, da dieser aufgrund der Hemmung von CYP3A durch Biaxin erhöht sein kann. Vorsicht ist geboten bei gemeinsamer Anwendung z. B. mit:

  • Rifampicin
  • Phenytoin
  • Carbamazepin
  • Phenobarbital
  • Johanniskraut
  • Nevirapin
  • Rifampicin
  • Rifabutin
  • Rifapentin
  • Efavirenz.

Durch einen verstärkten Abbau von Chlarithromycin kann der Plasmaspiegel des ebenfalls mikrobiologisch aktiven Stoffwechselprodukts 14(R)-Hydroxy-Biaxin erhöht sein. Das Verhältnis der mikrobiologischen Aktivität von Biaxin und 14(R)-Hydroxy-Biaxin ist bei unterschiedlichen Bakterien unterschiedlich. Bei gleichzeitiger Gabe von Enzyminduktoren und Biaxin sollte die therapeutische Wirksamkeit im Einzelfall geprüft werden.

Einfluss von Chlarithromycin auf andere Arzneimittel

Biaxin hemmt den CYP3A-basierten Arzneimittel-Stoffwechsel und andere Abbauvorgänge. Bei gemeinsamer Anwendung mit Arzneimitteln die über CYP3A bzw. über ähnliche Mechanismen mit Hilfe anderer Isoenzyme des Cytochrom-P450-Systems abgebaut werden, ist besondere Vorsicht geboten, da erhöhte Plasmaspiegel resultieren können. Dazu gehören z.B.:

  • Antiarrhytmika (z.B. Chinidin, Disopyramid)
  • Orale Antidiabetika/Insulin (z.B. Nateglinid und Repaglinid)
  • Phosphodiesterase-Inhibitoren (z.B. Sildenafil, Tadalafil, Vardenafil)
  • Carbamazepin, Theophyllin
  • Orale Antikoagulanzien (z. B. Warfarin)
  • Triazolobenzodiazepine (z.B. Alprazolam, Triazolam, Midazolam)
  • Vinblastin
  • Ciclosporin
  • Tacrolimus
  • Colchicin
  • Digoxin.

Kontraindikationen

Biaxin ist kontraindiziert bei Patienten mit bekannter Überempfindlichkeit gegen den Wirkstoff, andere Makrolid-Antibiotika oder einen anderen Bestandteil der entsprechenden Arzneizubereitung.

Die gleichzeitige Einnahme folgender Wirkstoffe ist kontraindiziert:

  • Ticagrelor
  • Ranolazin
  • Mutterkornalkaloide (Ergotamin oder Dihydroergotamin)
  • Midazolam (oral).

Gleichzeitige Anwendung von Biaxin mit folgenden Arzneistoffen ist kontraindiziert, da aufgrund erhöhter Plasmaspiegel lebensbedrohliche Herzrhythmusstörungen auftreten können:

  • Astemizol
  • Cisaprid
  • Pimozid
  • Terfenadin.

Patienten, bei denen eine Verlängerung des QT-Intervalls oder ventrikuläre Herzrhythmus¬störungen einschließlich Torsade de pointes aufgetreten sind, dürfen Biaxin nicht anwenden.

Aufgrund der Gefahr einer Verlängerung des QT-Intervalls darf Biaxin nicht bei Patienten mit Hypokaliämie eingesetzt werden.

Biaxin darf nicht gleichzeitig mit den HMG-CoA-Reduktase-Inhibitoren (Statine) Lovastatin oder Simvastatin angewendet werden, da diese im Wesentlichen durch CYP3A4 metabolisiert werden und die Gefahr einer Myopathie einschließlich Rhabdomyolyse besteht.

Wie bei anderen starken CYP3A4-Inhibitoren darf Biaxin insbesondere bei Nieren- und Leberfunktionsstörungen, nicht zusammen mit Colchicin angewendet werden, da es zu einer Colchicin-Vergiftung kommen kann.

Es darf nicht bei Patienten, die an schwerem Leberversagen in Verbindung mit einer eingeschränkten Nierenfunktion leiden, nicht angewendet werden.

Wichtige Hinweise

Fertilität, Schwangerschaft, Stillzeit

Die Sicherheit von Biaxin während der Schwangerschaft wurde noch nicht nachgewiesen. Mögliche Nebenwirkungen auf die embryonale und fetale Entwicklung können nicht ausgeschlossen werden. Die Anwendung in der Schwangerschaft wird nur nach sorgfältiger Nutzen-Risiko-Abwägung empfohlen, insbesondere während des ersten Trimesters.

Biaxin und sein aktiver Metabolit treten in die Muttermilch über. Bei Säugling kann es zu Veränderungen der Darmflora mit Durchfällen und zu einer Sprosspilzbesiedlung kommen, so dass das Stillen eventuell unterbrochen werden muss. Die Möglichkeit einer Sensibilisierung ist ebenfalls zu berücksichtigen. Bei Stillenden sollte der Nutzen der Behandlung für die Mutter sorgfältig gegen das potentielle Risiko für das Kind abgewogen werden.

Auswirkungen auf die Verkehrstüchtigkeit und das Bedienen von Maschinen

Dazu liegen keine Daten vor. Es sollte jedoch berücksichtigt werden, dass durch den Wirkstoff Benommenheit, Schwindel, Verwirrtheit und Desorientierung auftreten können.
Weitere Details zu diesem Wirkstoff können Sie der jeweiligen Fachinformation entnehmen.

Verwandte Wirkstoffe

Biaxin  (ATC-Klasse J01FA09) gehört zu der Gruppe der Makrolidantibiotika.

Andere Vertreter dieser Klasse sind:

  • Erythromycin
  • Roxithromycin
  • Azithromycin.

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